Weinfelden - doch keine Stadt?

Die Leidtragenden

Am 9. Februar 2020 stimmte die Bevölkerung von Weinfelden Nein zu einem Stadtbus. Das Verdikt ist klar: Nur 1315 Stimmberechtigte sagten Ja (35.9%) und 2245 Nein (63.1%).

Weinfelden mag eine Stadt sein, was die 10’000-Grenze anbelangt; im Gemüt – das hat die Abstimmung gezeigt – wurde der Schritt zur Stadt noch nicht überall nachvollzogen. Zahlen aus der Schweiz zeigen nämlich, dass zu einer Stadt üblicherweise ein Stadtbus-System gehört (siehe Argumentarium). In Weinfelden muss diese Mentalität erst noch heranreifen. 

Eine satte Mehrheit von Weinfelderinnen und Weinfelder verfügt über eigene Motorfahrzeuge, fühlt sich mobil, sicher und eigenständig. Diese Mehrheit hat persönlich nicht viel von einem Bussystem. Diese Mehrheit hat nun gegen den Bus gestimmt. Überstimmt wurden einige hundert Menschen, die mehrfach betont haben, wie froh sie um ein ausgebautes Bussystem wären: Darunter ältere Menschen, Menschen mit Behinderung oder sonstwie eingeschränkter Mobilität.

In diesem Sinne bedauert das Pro-Komitee den deutlichen Entscheid. Gleichzeitig macht es natürlich Sinn, auf einen Busbetrieb vorerst zu verzichten, wenn dieser von der Bevölkerung nicht mitgetragen wird.

Die Stadt Uzwil brauchte drei Anläufe, bis der Stadtbus Realität wurde. Heute kann er nicht mehr weggedacht werden. Nun möchte Weinfelden – scheinbar – auch mehrere Anläufe nehmen. Das ist eigentlich legitim.


So bleibt denn der Marktplatz ein Dorfzentrum mit Sitzen, auf denen man nicht vorwärts kommt....

Finanzierung

Ein Stadtbus ist nicht günstig - es geht um Qualität, Sicherheit und Verfügbarkeit - aber er ist bezahlbar.

Gratis-Betrieb

Am 11. /18. Januar gab es einen gratis Vollbetrieb der drei Stadtbuslinien. Hier geht es zum Rückblick.

Das Pro-Komitee

Wir sind überzeugt, dass es Zeit ist für eine Versuchsphase mit einem Stadtbus in Weinfelden.

Argumentarium

Ausser den Gemeindestrassen kommen kaum Ausgabenpunkte im Weinfelder Budget einer so breiten und durchmischten Bevölkerungsschicht zugute wie ein Stadtbus.

Link zur Teletop-Sendung

https://www.toponline.ch/tele-top/sendungen/top-news/news/top-news-vom-18-januar-2020-00127417/

Info-Veranstaltung 15. Januar 20

Am Mittwoch, dem 15. Januar fand eine umfassende Informationsveranstaltung zum Stadtbus statt. vlnr: Moderator Samuel Röthlisberger, Susanna Brüschweiler (Co-Präsidentin Pro-Komitee) Michael Zingg (Mit-Initiator und Kommissionsmitglied) Urs Zingg (Kanton Thurgau) Lucas Keel (Stadtpräsident Uzwil) Bruno Schwager und Nathan Huber (Verkehrsbetriebe Schaffhausen)

Gut besuchte Info-Veranstaltung zum Stadtbus

Einen Stadtbus schiebt man nicht mit links an, so nebenbei. Ein 5-Millionen-Kredit mit Folgekosten will wohlüberlegt sein. Entsprechend intensiv haben sich Stadtrat und drei verschiedene Kommissionen mit einem Busangebot für Weinfelden auseinandergesetzt. Nun ist die Abstimmungsvorlage des Stadtrates da.

Um sich über die Vorlage und die Vorteile eines Busangebots informieren zu können, lud das überparteiliche Pro-Komitee am 15. Januar zu einer gut besuchten Veranstaltung ins Elisabetha-Hess Schulzentrum ein. Die Botschaft war deutlich: In eine aufstrebende junge Stadt gehört ein attraktives öffentliches Verkehrssystem.

Diese Ansicht vertrat auch Lucas Keel, Stadtpräsident von Uzwil. In einem engagierten Speech ermutigte der Gast die Anwesenden, dem Stadtbus zuzustimmen. Uzwil, praktisch gleich gross wie Weinfelden, hat mit dem Ortsbus sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Fahrgastzahlen nahmen stetig zu, die Kosten konnten entsprechend gesenkt, die Linien gar ausgebaut werden.

Bruno Schwager, Geschäftsleiter der Verkehrsbetriebe Schaffhausen, machte sich mit seinem Projektleiter Nathan Huber stark für den Einsatz von Elektrobussen. Sie rechneten vor, dass E-Busse bereits nach 11 Betriebsjahren günstiger sind als Diesel-Fahrzeuge.

Mit Gérard Bilger und Petra Merz meldeten sich Stimmen aus Weinfelden zum Bus und nannten die Bedürfnisse von Senioren und Jungen. Beide Altersgruppen würden einen Bus sehr schätzen, waren sie sich sicher und zwar nicht nur wegen der klar höheren Mobilität, sondern auch um Menschen zu treffen und einen Schwatz zu halten.

Schliesslich öffnete Moderator Samuel Röthlisberger die Diskussion für die Zuhörenden. Neben vielen positiven Stimmen hatten so auch kritische Fragen Platz. Stadtrat Hans Eschenmoser vertrat die Meinung, dass Kosten und Nutzen des Busses noch nicht stimmen würden und Anwohner der Paul-Reinhart-Strasse bemängelten die häufigen Busdurchfahrten durch ihre sonst ruhige Quartierstrasse.

Viele der Fragen konnte Urs Zingg, Kantonsbeauftragter für öffentlichen Busverkehr, kompetent und mit Beispielen aus anderen Ortschaften beantworten. Um sich eingehender mit dem Projekt auseinander setzen zu können, hat das Pro-Komitee unter der Leitung von Susanna Brüschweiler und Martin Müller die Webseite «deinstadtbus.ch» aufgeschaltet.