Keine Steuererhöhung nötig

Ein Bus kostet. Trotzdem ist die Finanzierung der 5-jährigen Versuchsphase aus den Reserven der Stadt Weinfelden finanzierbar – ohne Steuererhöhung. Wie ist das möglich? Im Zug einer Neubewertung von Anlagen (Wechsel des Rechnungsmodells von HRM 1 zu HRM 2) hat die Stadt eine Reserve von mehreren Millionen Franken geschaffen, die sie in den nächsten wenigen Jahren entweder zum Eigenkapital schlagen muss, welches jetzt schon genügend hoch ist oder sonstwie ‘abzubauen’ hat.  

Es ist jedoch richtig, wenn die Bevölkerung weiss, was die genauen Ausgaben eines Busbetriebs sind. Pro Jahr rechnet die Stadt Weinfelden mit Mehrausgaben von rund 1 Million Franken, für den gesamten Versuchsbetrieb also mit 5.3 Millionen. Im Durchschnitt kostet der Bus die Steuerzahlenden pro Person somit ca. 110 Franken pro Jahr (Variante ohne Elektrobus). Das gilt dann auch für einen definitiven Betrieb nach Ablauf der Versuchsphase. Hier geht es zu den Berechnungen der Stadt Weinfelden (ab Seite 12). Entscheidet sich die Stimmbevölkerung für die Variante mit dem Elektrobus, ist mit jährlichen Kosten von rund 1.2 Millionen CHF zu rechnen. Angesichts der nahezu regelmässigen jährlichen Überschüsse der Jahresabschlüsse (zum Teil über der Millionengrenze), ist aber auch das sehr gut zu verkraften.

Im Moment sieht das Konzept der Stadt vor, Busse mit bis zu 70 (!) Plätzen einzusetzen (20-30 Sitzplätze und 40-50 Stehplätze) (Siehe Seite 6). Es ist durchaus vertretbar, kleinere Fahrzeuge einzusetzen. Kleinbusse mit bis zu 25 Plätzen wären zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend und könnten zu einem geringeren Preis angeschafft werden. Somit hat das Budget noch Spielraum nach unten.

Midibus - wie im Konzept vorgesehen

Midibusse haben 20-30 Sitzplätze und 40-50 Stehplätze. Länge: ca. 10 Meter.

Minibus - z.B. der Karsan Jest

Dieser Bus verfügt über max. 25 Plätze (auch für Rollstuhl/Kinderwagen). Länge: 5.8 Meter. Hier im Bild die Elektroversion mit einer Reichweite von 210 Km.

Der Stadtbus bringt auch finanzielle Vorteile:

Für sich allein betrachtet, kann ein Stadtbus in Weinfelden niemals selbsttragend sein. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln können die entstehenden Kosten bekanntlich nicht durch den Billetverkauf gedeckt werden. Auch für den Weinfelder Stadtbus sind Steuergelder nötig. Die beiden Kreditvorlagen zum Stadtbus schrecken manche ab. Sie übersehen vielleicht, dass die Finanzierung für die fünfjährige Versuchsphase bereits gesichert wäre (siehe www.deinstadtbus.ch).

Was leider vielfach vergessen geht, sind die volkswirtschaftlichen Berechnungen. Richtig betrachtet, rentiert der Weinfelder Stadtbus – spätestens nach einer Einführungszeit. Er liefert Gewinne und Einsparungen für die privaten Portmonees und wird dadurch sogar zu einem „Schnäppchen“, wie die folgenden Überlegungen zeigen.

Mieter profitieren. Wer dank Stadtbus auf ein (zweites) Auto verzichten kann, spart pro Jahr gut und gern 6000 Franken. Wenn dies längerfristig 200 Familien merken, bleibt ihnen jährlich über 1 Million für Wichtigeres. Und das nützt dann auch wieder den Detaillisten.

Grundeigentümer profitieren. Häuser und Wohnungen verkaufen sich mit Standortvorteil „Busnähe“ vielleicht 2 % teurer als sonst gleichwertige Objekte abseits vom Bus. Das betrifft in Weinfelden vielleicht 2500 Wohneinheiten, die durchschnittlich innert ca. 20 Jahren für CHF 800‘000 die Hand ändern. Die jährliche Verkaufssumme ergibt etwa 100 Millionen, die Grundeigentümer gewinnen also dank Standortvorteil „Busnähe“ etwa zwei Million Franken pro Jahr.

Vermieter profitieren. Wohnungen in Busnähe erzielen vielleicht 40 Franken mehr Monatsmiete als sonst gleichwertige Objekte abseits vom Bus. 2000 Weinfelder Mietwohnungen in Busnähe bringen den Vermietern dadurch einen Mehrertrag von einer Million pro Jahr.

Alle profitieren. Der Stadtbus bringt Vorteile für Menschen, die nicht aus eigenen Stücken mobil sind und deshalb bisher teure Taxifahrten benötigen. 150 Senioren, die pro Woche 3 Taxifahrten durch den Bus ersetzen, sparen jährlich eine Viertelmillion ein. Auch viele „Elterntaxis“ für Sport, Musik- und Ballettunterricht werden dank Stadtbus unnötig. Die leichtere Erreichbarkeit bringt mehr Kunden für Veranstalter und Gewerbe. Der Weinfelder Stadtbus erhöht ganz generell die Attraktivität unseres Wohn- und Arbeitsorts.

Wir sehen den Stadtbus aber nicht nur aus dem finanziellen Blickwinkel.
—  Der Bus bringt mehr Fairness gegenüber schwächeren Menschen in unserer Gesellschaft.
—  Der öffentliche Verkehr ist klar umweltfreundlicher als der motorisierte Privatverkehr.
—  Der öffentliche Verkehr schafft mehr Begegnungen zwischen Menschen.
Es sind gerade auch diese ideellen Werte, die beim Stadtbus für uns zählen. Wer aber lieber ans Geld denken will: auch unsere ideellen Argumente wirken sich auf lange Sicht finanziell positiv aus!

Postauto genügt? Wir anerkennen die Bedeutung unserer 6 Postautolinien. Auch diese generieren einen Mehrwert, allerdings in viel geringerem Umfang als der Stadtbus. Der Stundentakt eignet sich eben nur beschränkt für ein innerstädtisches Verkehrsmittel, wie die meist schwache Belegung der Postautos zeigt. Zu einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung gehört deshalb nach unserer Sicht endlich ein Stadtbus.

Flexible Lösungen erwünscht. Diskussionen im Vorfeld der Abstimmung haben gezeigt, dass die Linienführung und der Haltestellenplan noch optimiert werden könnten. Auch eine weitergehende Abstimmung auf die Postautolinien wäre denkbar. Wir gehen davon aus, dass der Stadtrat auf rechtzeitig vorgebrachte Ideen und Anträge zur Optimierung des Weinfelder Stadtbusses gerne eingehen wird.